16. Januar 2020

Schulprofil “Inklusion”

Was bedeutet Inklusion?

Grundlage fĂŒr Inklusion an Schule ist das Übereinkommen der Vereinten Nationen vom 13. Dezember 2006 ĂŒber die Rechte von Menschen mit Behinderungen (VN-BRK), das im August 2011 in Bayern in Kraft trat.

Darin kennen alle Vertragsstaaten das Recht von Menschen mit Behinderungen auf Bildung an und verpflichten sich, ein integratives bzw. inklusives Bildungssystem zu gewÀhrleisten.

Um diese Auflagen sinnvoll umzusetzen, haben wir uns in den letzten Jahren auf den Weg gemacht, ein inklusives, pĂ€dagogisches Profil fĂŒr unsere Schule zu erstellen und dies Schritt fĂŒr Schritt umzusetzen.

Im Sinne des Erziehungsauftrags der Schule „nicht nur Wissen und Können zu vermitteln, sondern auch Herz und Charakter zu bilden“, liegt uns die Förderung der Gesamtpersönlichkeit unserer SchĂŒler*innen sehr am Herzen. Unsere SchĂŒler*innen sollen christliche-humanistische Werte im tĂ€glichen Schulalltag anwenden. Die inklusive Beschulung von Kindern mit besonderem Förderbedarf bietet dabei ein intensives Lernfeld fĂŒr die gesamte Schulgemeinschaft.

Inklusion als Aufgabe der ganzen Schulgemeinschaft

Die Intension der Inklusion ist in unseren Leitzielen, die wir vor einigen Jahren aus dem Kollegium heraus entwickelt haben, fest verankert. So sind wir eine Schule, die die Unterschiedlichkeit und IndividualitĂ€t von Kindern akzeptiert, wertschĂ€tzt und diese als Herausforderung annimmt (vergleiche auch https://home.hans-sachs-grundschule.de/schulprogramm/). Wir legen darauf Wert, unsere Schule als einen Lebens-, Lern- und Erfahrungsraum zu gestalten, in dem sich jeder anerkannt und geborgen fĂŒhlt.

Dabei versuchen wir, Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen sich jedes Kind zu einer selbstbewussten, sozialkompetenten und leistungsbereiten Persönlichkeit entwickeln kann. Dementsprechend nehmen wir bewusst unterschiedliche kognitive, körperliche und emotionale Lernvoraussetzungen in den Blick. Jedes Kind soll sich mit Freude und Zuversicht neuen Aufgaben stellen und seine StÀrken und SchwÀchen einordnen. Dadurch lernt es eigene Interessen zu entwickeln, zu vertreten und zu verfolgen, aber ebenso die Interessen und FÀhigkeiten der anderen Kinder zu akzeptieren und zu respektieren.

Wir bestĂ€rken unsere Kinder bewusst darin, Fehler und Umwege als einen notwendigen Schritt zu neuen Lösungen zu erfahren und so konstruktiv mit Misserfolgen umzugehen. Es geht uns darum, dass sie den Zusammenhang zwischen Anstrengung und Erfolg kennenlernen und Erfahrungen des eigenen Könnens machen. So reflektieren wir zusammen mit den SchĂŒler*innen individuelle Lernfortschritte und versuchen die Anforderungen möglichst so zu gestalten, dass ihre Leistungsbereitschaft erhalten bleibt und weiterentwickelt wird.

Durch eine kindgerecht gestaltete, gepflegte und anregungsreiche Umgebung sollen sich alle Kinder in ihrer jeweiligen Entwicklung wohl fĂŒhlen, so dass jeder in seiner Einzigartigkeit seine besonderen StĂ€rken entfalten kann.

Konkrete Umsetzung der Inklusion in den verschiedenen Bereichen

1. Jahrgangsmischung als Chance fĂŒr alle Kinder

Das gemeinsame Lernen voneinander und miteinander ist uns in unseren jahrgangsgemischten Klassen (1/2 und 3/4) sehr wichtig. Vielfalt verstehen wir als Bereicherung. Offene Unterrichtsformen, „gute Aufgaben“ sowie vielfĂ€ltige kooperative Lernformen prĂ€gen unseren Unterrichtsalltag. Die LehrkrĂ€fte werden ĂŒber weite Strecken des Unterrichts zu Lernbegleitern. Gleichzeitig achten wir darauf, klare Strukturen vorzugeben, die gerade fĂŒr leistungsschwĂ€chere Kinder unerlĂ€sslich sind. Gemeinsame Lernwege öffnen dabei den Blick fĂŒr eigene Lernwege, so dass im Idealfall viele Kinder ihr Potential entfalten können. Genauso kann jeder mit seiner Einzigartigkeit zum gemeinsamen Lernerfolg beitragen. Durch das Unterrichtsprinzip des „Lernens durch Lehren“ wird es den SchĂŒler*innen ermöglicht, Wissen und Kompetenzen an ihre MitschĂŒler*innen weiterzugeben. Hierbei erleben sich gerade auch SchĂŒler*innen mit Handicaps immer wieder als kompetent. SelbstverstĂ€ndlich stoßen wir dabei in unserem Schulalltag auch an unsere Grenzen, halten jedoch das Prinzip der Jahrgangsmischung grundsĂ€tzlich als sehr gut geeignet, um Kinder mit vielfĂ€ltigen Potentialen gemeinsam zu unterrichten.

Die flexible Verweildauer in den jahrgangsgemischten Eingangsklassen bietet leistungsstarken Kindern die Chance, einer VerkĂŒrzung der Grundschulzeit. Gleichzeitig haben Kinder, die langsamer im Lernstoff voranschreiten, die Möglichkeit einer dreijĂ€hrigen Verweildauer in der Klasse, ohne dass sie in eine andere Klasse wechseln oder die Jahrgangsstufe wiederholen mĂŒssen. Sie können genau da weiterarbeiten, wo sie gerade leistungsmĂ€ĂŸig stehen.

2. DeutschPlus

FĂŒr SchĂŒler*innen mit nichtdeutscher Muttersprache, die eine Regelklasse besuchen, werden auch weiterhin begleitende Fördermaßnahmen in Deutsch als Zweitsprache angeboten. Ziel ist der weitere Kompetenzerwerb und die Aneignung einer Fach- und Bildungssprache. In den Schuljahren 2016/17 und 2017/18 gab es parallel zu den jahrgangsgemischten Klassen eine Übergangsklasse. Seitdem haben sich in vier 1/2-Klassen DeutschPlus-Gruppen integriert. In diesen werden Kinder mit Migrationshintergrund und sprachlichen Defiziten intensiv beim Erwerb der deutschen Sprache gefördert. Die feste Einbindung unserer Sprachlerner*innen in die Regelklasse hat sich dabei als großer Vorteil erwiesen: Durch das Sprachvorbild ihrer Klassenkamerad*innen erweitern sie ihren Wortschatz bzw. ihre AusdrucksfĂ€higkeit in der deutschen Sprache in der Regel problemlos.

FĂŒr Eltern interessant: Unsere Erfahrungen zeigen, dass Kinder, die schon mehrere Jahre in Deutschland leben und dennoch Schwierigkeiten haben, die deutsche Sprache zu erlernen, oftmals auch einen sonderpĂ€dagogischen Förderbedarf im Bereich des SprachverstĂ€ndnisses haben, der auch im Herkunftsland ihrer Eltern bestehen wĂŒrde.

3. Offene Ganztagsschule (OGTS)

Über die HĂ€lfte unserer Kinder besuchen die Betreuungsangebote unserer offenen Ganztagsschule (OGTS). Nach der Schule werden die Kinder von ihrer Bezugsbetreuer*in bei ihrem Lernen am Nachmittag begleitet: in der Hausaufgaben-und Austauschzeit (montags und mittwochs) wird versucht, jedes Kind dort abzuholen, wo es steht. Auch Kinder mit besonderem Lernbedarf sollten hier nicht ĂŒberfordert werden. In der Freispielzeit stehen soziale Lernerfahrungen im Vordergrund. KlassenĂŒbergreifend erfahren die Kinder sich hier als Teil einer Gruppe, in der wichtige soziale Kompetenzen wie RĂŒcksichtnahme, Kompromissbereitschaft und Konfliktlösungsstrategien erworben werden. Kinder mit sozial-emotionalem Förderbedarf profitieren besonders von den Angeboten, die die Mitarbeiter*innen im musischen, kĂŒnstlerischen, naturwissenschaftlichen oder sportlichen Bereich in Form von Arbeitsgemeinschaften (AGs) jeweils dienstags und donnerstags anbieten. Auch wenn es fĂŒr Grundschulkinder grundsĂ€tzlich herausfordernd ist, den Alltag außerhalb der sicheren Strukturen ihrer Familie zu verbringen, ist die OGTS fĂŒr viele Kinder die richtige Anlaufstelle und trĂ€gt zu einem gelungenen Zusammenleben aller in der Schulgemeinschaft bei.

4. Mobiler SonderpÀdagogischer Dienst (MSD)

 Der Mobile SonderpĂ€dagogische Dienst ist ein prĂ€ventive-integratives Angebot fĂŒr SchĂŒler*innen in Zusammenarbeit mit dem fĂŒr uns zustĂ€ndigen Förderzentrum, SFZ Otto-Lilienthal-Schule FĂŒrth. Frau Wagner, StudienrĂ€tin im Förderschuldienst, ist bei uns an mehreren Tagen in der Woche tĂ€tig.

Ihre Schwerpunkte sind:

  • Beratung fĂŒr LehrkrĂ€fte, Sorge- und Erziehungsberechtigte sowie SchĂŒler*innen zu Fragen der UnterstĂŒtzung bei sonderpĂ€dagogischen Förderbedarf wĂ€hrend der Schullaufbahn
  • sonderpĂ€dagogische Diagnostik (Testverfahren zur EinschĂ€tzung des Entwicklungsstandes)
  • DurchfĂŒhrung individueller Fördermaßnahmen in der Klasse zur Vertiefung und Differenzierung
  • Koordination der Zusammenarbeit aller Beteiligten
  • Moderation von ElterngesprĂ€chen

Um die Entwicklung der Kinder im Laufe des Schuljahres weiterhin zu fördern, wird gemeinsam mit der Klassenlehrkraft ein individueller Förderplan mit differenzierten Zielsetzungen erstellt, der in einem ausfĂŒhrlichen ElterngesprĂ€ch besprochen wird. Die zum Halbjahr stattfindenden LernentwicklungsgesprĂ€che bieten einen sinnvollen Anlass, gemachte Fortschritte zu ĂŒberprĂŒfen. Hierbei werden im Vorfeld die EinschĂ€tzungen der Klassenlehrkraft mit der MSD-Fachkraft abgestimmt. Gegen Ende des Schuljahres reflektieren die Klassenlehrkraft, die MSD-Fachkraft und die Eltern, welche Fortschritte erzielt wurden und ob das Kind weiterhin gefördert werden soll.

5. Enge Zusammenarbeit mit den Eltern

Um unsere Kinder individuell zu fördern, liegt uns eine konstruktive und ehrliche Zusammenarbeit mit den Erziehungsberechtigten sehr am Herzen. Eltern kennen ihr Kind am besten. So ist ein regelmĂ€ĂŸiger Kontakt zwischen unseren LehrkrĂ€ften und den Eltern Grundlage fĂŒr eine erfolgreiche Grundschulzeit. Die positive Einstellung zur Schule und die UnterstĂŒtzung aus dem Elternhaus ist fĂŒr die Kinder unmittelbar motivationsfördernd. Unserer Erfahrung nach haben Kinder die besten Lern- und Entwicklungschancen, wenn das Miteinander von Eltern und LehrkrĂ€ften von gegenseitigem Vertrauen und WertschĂ€tzung geprĂ€gt sind. Deshalb ist es uns ein Anliegen, dass Eltern frĂŒhzeitig das GesprĂ€ch mit der Klassenleitung suchen, sobald Unsicherheiten oder Missstimmungen auftauchen. Auch die LehrkrĂ€fte werden bei Schwierigkeiten die Eltern zeitnah kontaktieren. Es hat sich gezeigt, dass dadurch viele Problemsituationen entschĂ€rft werden konnten, ehe sie eskalieren!

Wenn dies nicht gelingt, sind die Kinder die Leidtragenden: FĂŒr sie kann es sehr belastend sein, wenn Eltern und Lehrer*innen nicht an einem Strang ziehen.

Die Klassenlehrkraft ist generell am besten ĂŒber den Lern- und Entwicklungsstand des Kindes informiert. So sollte sie auch immer die erste Anlaufstelle sein. Weiterhin steht ein multiprofessionelles Beratungsteam zur VerfĂŒgung:

  • eine Beratungslehrkraft
  • eine SonderschulpĂ€dagogin
  • eine Schulpsychologin
  • eine Jugendsozialarbeiterin (JaS)

Neben unserem Beratungsteam steht in KrisenfĂ€llen auch die Schulleitung zu VerfĂŒgung (Rektorin Frau Meyer: sl@gs-hans-sachs-fuerth.de, Konrektorin Frau Knott).

Eine regelmĂ€ĂŸige Teilnahme an Sprechstunden und Elternsprechabenden erleichtern das Miteinander und den kontinuierlichen Austausch ungemein.